Wieviele alte Brücken hatte ich wohl schon überquert?

 

Herausgeputzter Maisspeicher

 

Jeden Abend in neuer Gesellschaft

 

 

29. Tag, 9. Oktober 2007

CASANOVA – ARZUA – BREA

38 km

Ich konnte es kaum erwarten wieder aus diesem Backofen herauszukommen. Es ging alles geradeaus, somit kein Problem mit meiner Taschenlampe den Weg zu finden.

Ich traf auf drei junge Spanier, die zu den Leuten gehörten, die am Boden geschlafen hatten. Sie wollten wissen woher ich käme. Als sie hörten wie weit ich schon gelaufen war, staunten sie und meinten, ich würde sie wohl auslachen wegen ihrer hundert Kilometer. Aber nein, besser als gar nichts, beruhigte ich sie. Das waren drei lustige Kerle. Die Rucksäcke hingen ihnen fast bis in die Kniekehlen. Der eine trug so etwas wie eine Reisetasche am Rücken. Die ausgelatschten Turnschuhe sahen auch nicht gerade wandertauglich aus. Sie würden den Camino nicht wegen der Compostela machen, sondern nur für die „Alegria“ also der Freude wegen.

Nach 24 km erreichte ich Arzua. Wiederum stand ich vor der Entscheidung, hier zu bleiben oder weiter zu gehen. Die nächste Unterkunft in Brea lag noch 14 km entfernt. Telefonisch reservierte ich mir dort ein Bett. So konnte ich friedlich und ohne Stress weiterziehen.

In einem schönen Waldstück, durch das ein Bächlein floss, setzte ich mich gemütlich hin um zu picknicken. Während ich meine sieben Sachen ausbreitete und mich an diesem idyllischen Platz freute, hörte ich plötzlich ein Gesumme, das immer näher kam. Eine Busladung Touristen! Ein Pater, der die Gruppe leitete, sagte „So hier wollen wir jetzt rasten“. Es gab so viele schöne Plätze rundherum, aber nein, es musste ausgerechnet hier sein, wo ich war. Ich packte so schnell wie möglich alles zusammen und machte mich davon.

Am späteren Nachmittag traf ich einen Spanier, Antonio aus Madrid. Wir wanderten ein Stück zusammen. Er meinte, ich sei wohl auch ein bisschen „loco“ (verrückt), so weit zu gehen. Mit seinem Tempo konnte ich nicht lange mithalten. Wir trafen uns später aber im Motel wieder.

Ich befand mich einmal mehr alleine in der zum Motel gehörenden Herberge. Die anderen nahmen sich Zimmer. Mit zwei Männern, einem Paar, alle aus Deutschland, und Antonio verbrachte ich einen gemütlichen Abend. Der eine Mann und ich amüsierten uns köstlich, als wir feststellten, dass wir immer alle Kühe fotografieren, die uns auf dem Weg begegnen. Da könne er eben seine Herkunft als Bauernsohn nicht verleugnen. Da ich eine Bauerntochter sei, ginge es mir präzis gleich. So fachsimpelten wir über die Landwirtschaft in Spanien, in Deutschland und der Schweiz.