Am Himmel scheint sich etwas zusammenzubrauen

 

Schnurgerade gegen Westen

 

Andrea, Ingeborg, Reinhard und Cora (von links)

 

 

 

21. Tag, 1. Oktober 2007

VILLADANGOS – ASTORGA

31 km

Wie schon oft war ich zu früher Stunde, noch im Dunkeln, unterwegs. Kein Mensch begegnete mir. Es war neblig und feucht. Ich liess meine Regenkleider im Rucksack, da ich guten Mutes war, dass es nicht wieder regnen würde. Und so war es denn auch. Als ich in Hospital de Orbigo eintraf, ging ich als erstes in eine Bar. Es war zehn Uhr und ich hatte noch nichts gegessen. An einem Tisch sass ein Pilger und ass einen Teller voll Fleisch und Pommes. Das sah so lecker aus, dass ich mir auch etwas warmes, eine Tortilla del Casa bestellte. Mir kam es vor als hätte ich noch nie so fein gegessen. Das finde ich toll, dass es in diesen Bars zu jeder Zeit etwas zu essen gibt.

Wieder auf den Socken, traf ich einige bekannte Gesichter. So die Familie aus Korea und den Belgier Michele, den ich seit Navarrete fast jeden Tag treffe. Ich hätte eine Variante des Weges gehen können, aber ich nahm die kürzere Strecke, wiederum der Autostrasse entlang. Diese war mir heute komischerweise nicht lästig. Viele Lastwagenfahrer hupten und winkten mir zu. Das fand ich immer sehr aufmunternd. Wenn mich Radfahrer überholten, wusste ich immer genau ob es Spanier oder Ausländer waren. Die Spanier grüssen ausnahmslos und rufen“ hola, buen camino“! Die anderen fahren leider stumm an einem vorbei. Na ja, nicht alle.

So langsam kam ich durch eine etwas fruchtbarere Gegend. Ich konnte sogar wieder einmal eine Traube pflücken. In Astorga ging ich in eine Herberge, die im Führer als sehr schön bezeichnet wurde. In Wirklichkeit war sie aber schrecklich. Ein deutsches Ehepaar, Ingeborg und Reinhard, befanden sich schon im selben Raum. Ingeborg erzählte, sie hätte eine Frau und deren Tochter, die das Down Syndrom habe, angetroffen. Die beiden würden den Camino zusammen machen. Sie selber hätte eine Enkeltochter mit Down Syndrom. Ich erzählte ihr, dass auch ich einen Sohn mit dieser Behinderung habe. So ein Zufall!

Später, im Strassencafe lernte ich dann diese Mutter und ihre Tochter kennen. Von Astorga sah ich nicht sehr viel, es fing plötzlich an zu schütten. Also ging ich nach "Hause". Im Zimmer war unterdessen Sven, ein junger Mann aus Deutschland, eingetroffen. Er sei von Konstanz gestartet und inzwischen 90 Tage unterwegs. Erst so gegen 21 Uhr, kamen noch weitere Leute an. Ein junges deutsches Paar, total kaputt und durchnässt. Noch später kamen zwei Männer aus Mallorca, die eben erst mit dem Zug angekommen waren. Jetzt war die viel zu enge Bude voll.

 

 

 

 

 

 

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Wegkreuz von Santo Torbio mit Blick auf Astorga