Dies wäre eigentlich der Weg!

 

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Blick von der Brücke auf das Städtchen Chanaz

 

 

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Meine "private" Unterkunft bei "Accueil jacquaire" Marcel und Michelle Janin

 

4. Tag, 6. April 2006

CULOZ – YENNE

35 km

Nach einer erholsamen Nacht und einem Frühstück bin ich per Autostopp wieder zurück nach Culoz. Eine junge Frau hatte mich mitgenommen. Am liebsten wäre sie auch gleich mit mir gekommen. Schon fand ich die Muschel wieder und wanderte guten Mutes der Rhone entlang.

Es war sehr schön, bis nach zirka zwei Kilometern kein Durchkommen mehr war. Vom gestrigen Regen hatte die Rhone mit ihren Nebenarmen die Wege so überflutet, dass richtige Seen entstanden waren. Ich nahm einen Forstweg durch den Wald in der Hoffnung auf die Autostrasse zu gelangen. Aber auch da war plötzlich ein zirka zehn Meter langer Teich. Da ich dachte, dies sei jetzt wohl das letzte Hindernis, zog ich kurzerhand die Schuhe aus und watete auf die andere Seite. Zum Glück zog ich die Schuhe nicht gleich wieder an, denn schon sah ich weitere Seen und links und rechts nur Dornen und Gestrüpp. Also, alles retour. Da kamen mir die zwei Pilger von gestern, Roger und André aus Lausanne, entgegen. So sind wir zu dritt alles zurück gewandert.

Sie erzählten mir, dass sie in Serrieux, also da wo ich keinen Platz gefunden hatte, in einer guten Gîte mit feinem Essen übernachtet hatten. Sie hätten ein kleines gelbes Heft mit allen Adressen für die Pilger, erklärten sie mir. Und so reservierten sie ihre Unterkünfte immer schon am Vorabend.

In Chanaz ging ich gleich in das Touristenbüro und kaufte mir diesen Führer. Die Frau im Büro reservierte mir auch gleich eine Gîte in Yenne. Also, weiter den Berg rauf, wieder wie gestern, alles hoch über dem Tal - unten die Rhone. Der Weg führte immer durch die pure Natur. Es war wunderschön. Durch Rebberge und kleine Weiler - wieder mutterseelenallein. Später in einem Dorf sagte mir eine Frau: „Das sollte man nicht machen, so alleine gehen bei all diesen Verrückten“. Sie begann mir von einem Mord zu erzählen, aber ich wollte davon nichts hören. Die hat mich richtig aufgeregt. So eine blöde Kuh!

Die letzten zwei Stunden waren hart. Ich war müde und der Weg ging sehr lange und sehr steil den Wald hinunter. Dann noch einmal eine Stunde der Rhone entlang und endlich war ich in Yenne. Hier hatten mir ganze drei Leute einen guten Weg also, „bonne Route“ und „bonne Courage“ gewünscht, und gefragt woher und wohin. Toll! Nach so einem harten Tag ein richtiger Aufsteller. Ich besorgte mir noch Verpflegung für den nächsten Tag und ging dann zu meiner Gîte.

Ich war bei einem pensionierten Ehepaar einquartiert, das privat Pilger beherbergte. Nach dem Duschen sah ich André und Roger am Haus vorbeigehen. Ich rief „Hier ist es“, aber sie waren der Meinung, dass ihre Unterkunft ein paar Häuser weiter sei. Ich musste lachen, als nach einer halben Stunde ein Auto anhielt, und die Zwei ausstiegen. So landeten wir das erste Mal in der gleichen Gîte.