Die Quelle Saint Claire mit heilendem Wasser.

 

Bernard, Jaques, Elodie und Mael beim Abendessen.

 

18. Tag, Dienstag, 28. April

Barp – Eglise Mons

20 km

Das junge Paar aus der Bretagne, Elodie und Mael, schläft noch als ich die Herberge verlasse. In der Bar esse ich ein Croissant und trinke einen grossen Café au Lait. Der Wirt ist äusserst nett und symphatisch. Ich kaufe meine Wegzehrung, Brot, eine Tomate und eine Orange. Käse habe ich noch ein Stück im Rucksack. Nun ist es schon halb neun. Aber heute soll die Etappe nicht allzu weit und anstrengend sein. Bald holen mich Jaques und Bernard ein. Sie logierten gestern in der Nähe von Barp bei einer Nichte von Bernard. Vierzig Kilometer seien sie gestern gelaufen. Jaques jammert wegen einem geschwollenen Fuss. Sie gehen, wie ich, bis Mons. Der Weg führt jetzt durch die Wälder der Landes. Teilweise voller Sand, der von den Dünen angeweht wird. In Belin-Belin ergreife ich die Möglichkeit in einem Laden das nötigste für ein Abendessen zu kaufen, da es in Mons kein Restaurant gibt. Neben einer alten historischen Kirche, Église Saint-Pierre de Mons, die sehr abgelegen liegt, befindet sich das Refugium. Leider ist dieses sehr schlecht unterhalten. Wir haben kein warmes Wasser zum Duschen, auf den Britschen gibt es nur sehr dünne, schmutzige Matratzen. Zum Glück liegen ein paar saubere Laken in einem Korb. Nur ein Steinwurf von der Herberge entfernt, soll sich die Quelle der heiligen Saint Claire befinden. Das Wasser heile die Augen. Ich mache mich auf, um diese zu suchen, und eine Flasche mit dem Quellwasser zu füllen. Dieses ist gelb-bräunlich. Wahrscheinlich sehr eisenhaltig. Damit tränke ich einen Wattebausch und lege ihn auf die Augen. Jaques findet, dass das Wasser vielleicht seine geschwollenen Füsse heilt und macht sich damit einen Wickel. Ein Mann schlendert mit seinem Hund vorbei und hört wie ich mit Bernard über die Farbe des Wassers spreche. Es stellt sich heraus, dass er der Sigrist der Kirche ist. Er lädt uns ein, die Kirche für uns zu öffnen. Normalerweise sei diese nur noch an bestimmten Feiertagen offen. Was für eine Entdeckung! Die Kirche ist voller alter Bilder und Fresken, offenbar eine Rarität. Unglaublich, dass diese Kostbarkeiten für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. Bernard kann sich kaum erholen. Als frisch pensionierter Steinmetz interessiert er sich sehr für solche Sachen. Am Abend sitzen wir zu fünft am Tisch. Elodie und Mael sind auch eingetroffen. Plötzlich ein Jubelschrei. Wir haben warmes Wasser. Doch noch schnell unter die Dusche. Dann lege ich mir zusätzlich zwei freie Matratzen auf meine Liege und dazu noch ein paar Wolldecken. Ich komme mir vor wie die Prinzessin auf der Erbse.

Refugium, 8 Euro