Die Morgensonne zauberte lange Schatten auf den Weg

 

 

 

 

 

 

 

Warten vor der Herberge in Azofra

 

 

 

9. Tag, 19. September 2007

NAVARRETE – AZOFRA

24 km

Diese Etappe war ziemlich geradlinig. Ich konnte so richtig meinen Gedanken nachhängen. Vor allem beschäftigten mich immer noch all die Leute, die sich unbekümmert und unvorbereitet auf den Weg begeben. Wie dieser Timmy, er läuft wie viele andere in Turnschuhen. Auch in Sandalen sieht man viele Pilger wandern. Oder der junge Deutsche in Torre del Rio, der seinen 3 kg schweren Schlafsack auspackte. Er hätte sich kurz dazu entschlossen den Camino zu begehen, darum keine Zeit mehr gehabt sich einen leichteren zu besorgen. Jetzt schleppt er 15 kg am Rücken und hat Probleme mit den Knien.

Oder jene Frau, ziemlich korpulent, die schon nach kurzer Zeit physisch und psychisch am Ende war. Sie sass heulend am Strassenrand und wollte nicht mehr weiter. Ein Spanier hatte Mitleid mit ihr, und brachte sie in seinem Auto zur nächsten Herberge. Meine persönliche Meinung – man geht doch nicht unvorbereitet auf den Jakobsweg. So nach dem Motto „Ich geh dann schnell mal auf den Camino“. Das ist doch kein Spaziergang!

Ich bin ein Stück mit Gérard einem pensionierten Franzosen aus La Rochelle gegangen. Er erzählte mir von seinen vielen Pilgerwegen, die er schon gemacht hatte. Nach Santiago gehe er um für das gute Leben, das er bis jetzt hatte, zu danken.

Die Herberge in Azofra war super. Es gab 30 winzige Doppelzimmerchen. Das eine teilte ich mit Sara, die schon gestern meine Bettnachbarin gewesen war. Am Abend, als ich mir in der Küche eine Suppe kochen wollte, fragte mich plötzlich eine Schweizerin ob ich mit ihnen essen wolle. Sie hätten zuviel Reis und Teigwaren gekocht. So ass ich unverhofft in gemütlicher Runde zu Abend. Darunter war ein junger Mann aus Lausanne - er läuft den ganzen Weg Barfuss! Eine Frau aus Brasilien erzählte mir alles Mögliche. Verstanden hatte ich nicht viel davon. Aber die Hauptsache war, die kameradschaftliche Gemütlichkeit.