Sonnenaufgang über der Meseta

 

Positive Entwicklung: Überall wird aufgeforstet

 

Zwei, die sich auf Anhieb gut verstanden: Juan (links) und Trond

 

 

14. Tag, 24. September 2007

HORNILLOS DEL CAMINO – CASTROJERIZ

20 km

Es wird jetzt fast acht Uhr bis es hell wird. So ging ich wiederum die ersten Kilometer im Dunkeln. Bald spürte ich, dass mit meinen Beinen etwas nicht stimmte. Ich hatte Schmerzen und stellte fest, dass beide Beine oberhalb des Schuhschaftes geschwollen waren. Jetzt hatte es also auch mich erwischt! Ich war froh keine grosse Etappe vor mir zu haben.

Trotz den Schmerzen genoss ich die Wanderung durch die wunderschöne Hocheben . Kein Autolärm, nur Stille und zwischen-durch Vogelgezwitscher.

In Castrojeriz, gleich am Eingang des Ortes, befand sich links eine Bar mit Terrasse. Auch Zimmer wurden angeboten. Ich logierte mich gleich ein. Da ich auf den Bezug des Zimmers warten musste, setzte ich mich an die Sonne und schaute wie die vielen Pilger vorbeizogen. Ein deutsches Paar setzte sich an den Nebentisch. Er läuft meistens den Camino, und sie fährt mit dem Auto voraus um ihm dann ein, zwei Kilometer entgegenzugehen. Sie sammeln überall die Stempel um in den Herbergen schlafen zu können. Solche „Autopilger“ mag ich ganz besonders! - die schnappen mir, die ich den ganzen Tag den Rucksack geschleppt hatte, womöglich einmal das letzte freie Bett weg!

Als ich so meinen Gedanken nachhing, kam Juan, ein Mann mit dem ich gestern im Dorf ein wenig geplaudert hatte. Freudestrahlend setzte er sich zu mir und bestellte mir gleich ein Bier mit. Ich war total überrascht ihn als Pilger zu sehen. Ich war gestern überzeugt, dass ich mit einem Einheimischen plappern würde. Er sei Arzt aus der Nähe von Madrid und mit ein paar Freunden aus Amerika auf Pilgerreise. Auf diese warte er, denn sie seien sehr langsam.

Auch Trond kam des Weges. Er blieb auch gleich hier. Die zwei Männer verstanden sich sofort und für diesen Nachmittag waren wir auf Anhieb ein irgendwie verrücktes Team. Wir lachten die ganze Zeit über alles und nichts. Bevor der Wirt die Bar zumachte um Siesta zu halten, brachte er mir Eis mit dem ich auf meinem Zimmer die schmerzenden Stellen kühlte. So ruhte ich eine Weile, bevor ich mich aufmachte den Ort zu besichtigen.

Als erstes traf ich wieder auf Juan, und nur fünf Minuten später auf Trond. Juan ging mit mir in eine Apotheke um Salbe zu kaufen. Er massierte mir damit gleich Fachmännisch die schmerzenden Stellen. Natürlich gingen wir zusammen essen. Trond muss morgen seine Pilgerreise für ein paar Tage unterbrechen, weil er in Madrid etwas zu erledigen hat. Juan will bis Léon weiter wandern.